Beobachtungen auf La Gomera, Kanarische Inseln

Im Jahr 2007 verbrachte ich zwei Urlaube auf der kleinen Kanareninsel La Gomera. Sie ist die zweitkleinste Insel der Kanarischen Inseln, ein zu Spanien gehörendes Archipel im Atlantik. Auf Grund der südlichen Lage herschen dort ganzjährig Temerpaturen zwischen ca. 15°C im Winter und 30°C im Sommer. Meistens bewegen sich die Temperaturen aber um 20-25°C, was nicht nur die Bananen gut gedeihen läßt.

Da es auf der Insel keine natürlichen Seen und nur wenige kleine Bäche gibt, wird das Wasser während des ganzen Jahres in großen Betonbecken oder neuerdings auch mit Folie ausgekleideten Metallbecken gesammelt. Neben den wenigen Stauseen sind sie die einzigen Lebensräume für Süßwasserfische dort. So findet man das ganze Jahr über recht oft Guppys in den vor allem in den tieferen Lagen befindlichen Betonbecken. Diese Guppys werden seit Jahrzehnten zur Mückenbekämpfung in diese Becken gesetzt. Dabei blieb ihr ursprüngliches Erscheinungsbild erhalten. Hochzuchttiere oder verwilderte Formen derer konnte ich dort nicht finden.

An ihnen kann man noch gut das Verhalten der Vorfahren unserer domestizierten Guppys erkennen. Einzeln oder in kleinen Gruppen ziehen die Jungtiere dicht unter der Oberfläche entlang um Anflugnahrung zu jagen. Die älteren Junge zieht es schon eher in die mittleren Wasserschichten und an die Beckenränder, an denen sie in den Algen nach Nahrung suchen. Ausgewachsene Weibchen oder Männchen dagegen bekommt man selten zu Gesicht. Sie verbringen den Tag über gut versteckt am Beckenboden oder in anderen Zonen mit Deckung. Denn zu Recht verstecken sich diese von Natur aus eigentlich sehr neugierigen und wenig vorsichtigen Tiere. Neben Libellenlarven stellen ihnen nämlich auch Reiher nach.

Libellenlarven und Reiher sind auch ihre größten und meist einzigen Feinde. Der Besatz der Becken besteht meistens nur aus einer Fischart. In den mit Guppys besetzten Becken konnte ich keine anderen Fische finden. In anderen Becken wiederum tummeln sich nur Schwertträger in grün, orange oder messingfarben. In einem Becken fand ich auch eine gut handlange Buntbarsch-Art, die sich auf alles stürtzte, was ins Wasser fiel. Hier hätten Guppys auch in noch so großer Stückzahl keine Chance. Nur im Stadtpark von Hermigua konnte ich neben Schwerträgern auch Goldfische finden. Hier war von Guppys aber keine Spur. Wie es scheint kommen sie mit der Futterkonkurrenz der Schwertträger nicht klar.

Die Guppys in diesen Becken leben nicht gerade im Paradies. Der schwankende Wasserstand und der Mangel an Futter machen ihnen zu schaffen. Die meist recht kleinen, mageren aber gesunden Tiere ernähren sich vor allem von Algen und den darin befindlichen Lebewesen. Dazu ergänzt etwas Anflugnahrung ihren Speiseplan.

Trotz der teils schwierigen Lebensbedingungen vermehren sie sich oft zahlreich und die Vielfalt an Farben und Mustern der Männchen ist kaum in Worte zu fassen. Meistens dominieren rote, schwarze und grüne Flecken auf dem Körper. Die Rückenflosse ist fast immer farblos, nur in sehr wenigen Fällen ist sie auch mal gelb gemustert. Die Schwanzflosse ist entweder mit einen oder mehreren Farbflecken besetzt oder es sind kurze Schwerter in gelb, rot oder schwarz zu finden. Es konnten dabei nur Obenschwert- oder Doppelschwertansätze gefunden werden. Die Weibchen wiederum zeigten keine Deckfarben.

Interessant ist, dass in den Becken verschiedene Populationen gefunden werden können. Manche Farbmuster treten nur in einem einzigen Becken auf. Dabei finden sich immer mehrere verschiedene Muster an bunten Flecken bei den Männchen je Becken. Trotzdem scheint es selten zur Vermischung der Populationen der teils nur wenige hundert Meter von einander entferntliegenden Becken zu kommen. Dadurch scheint es als ob sich eine gewisse Einheitlichkeit durchsetzen konnte. Dies konnte ich so auch noch ein gutes halbes Jahr später beim zweiten Besuch beobachten.

Sehr interessant für den Besucher ist auch ihre Neugier. Viele der Tiere kennen keine Scheu vor dem Menschen und kommen neugierg angeschwommen. Man kann sie wortwörtlich mit der Hand fangen. Dabei erbeutet man aber fast ausschließlich Jungtiere, denn die ausgewachsenen Männchen sind damit beschäftigt die älteren Weibchen in den tieferen Wasserschichten anzubalzen.

Für mich war es ein tolles Erlebnis die Wildform meines geschätzten Haustieres im Freiland zu beobachten. Ihre Neugier und Farbenpracht faszinierten mich immer wieder.

Robert